Wenn Babyprodukte den ärztlichen Empfehlungen widersprechen

Babynahrung

Für unsere Kinder nur das Beste?. foodwatch beklagt, dass einige Hersteller Eltern gerne mit großen Verprechen köderten. Die Nahrung fördere dann oftmals aber Überfütterung und Kariesbildung oder würde Babys an einen hohen Zuckergehalt gewöhnen. (Foto: Helene Souza / pixelio.de)

„Viele als Babyprodukte angebotene Lebensmittel stehen im Widerspruch zu den ernährungswissenschaftlichen oder ärztlichen Empfehlungen für Säuglinge”, heißt es in einer aktuellen Pressemittielung von foodwatch. Der Verein beklagt, dass einige Hersteller den Eltern gesunde Produkte versprechen würden, während diese Waren tatsächlich Überfütterung und Kariesbildung fördern oder Babys früh an einen hohen Zuckergehalt gewöhnen würde. Das hat die Verbraucherorganisation foodwatch in diesen Tagen in einer Pressekonferenz in Berlin kritisiert, unterstützt von Experten der Bundeszahnärztekammer sowie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Leipzig.

Süßigkeiten für Säuglinge

Ob Süßigkeiten speziell für Säuglinge, Schokoladen- und Keks-Brei ab dem 6. Monat oder Tee auf Zuckergranulatbasis: „Was viele Lebensmittelhersteller als gesunde oder altersgerechte Nahrung für Babys und Kleinkinder empfehlen, wird diesem Anspruch oft nicht gerecht”, so die Verbraucherorganisation weiter. Besonders deutlich würde dies bei den kohlenhydratreichen Trinkmahlzeiten. Wegen des Risikos der Überfütterung und Kariesbildung fordern Kinderärzte seit Jahren, die Vermarktung einzustellen. „Während Danone darauf reagiert und seine unter der Marke Milupa verbreiteten Trinkmahlzeiten vom Markt genommen hat, bieten Hipp und Nestlé solche Produkte weiter an. Die von Nestlé mit allerlei Gesundheitshinweisen beworbene ,Alete Mahlzeit zum Trinken’ ist auch einer von fünf Kandidaten bei der von foodwatch ausgerufenen Wahl zum Goldenen Windbeutel 2014, bei der Verbraucher unter www.goldener-windbeutel.de noch bis Ende September über die frechste Werbelüge des Jahres abstimmen können”, erklärt foodwatch.

Strengere Reglungen gefordert

ergebnis_goldener_windbeutel_2013foodwatch spricht sich für eine gesetzliche Regelung aus, nach der nur noch solche Produkte als Säuglingsnahrung vermarktet werden dürfen, die den Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften entsprechen. Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Leipzig: „Die Ernährung in den ersten Lebensmonaten ist prägend und beeinflusst das spätere Ernährungsverhalten eines Menschen. Deshalb ist es wichtig, eine zu starke Süßgewöhnung im Säuglingsalter zu vermeiden. Dem sollte Säuglingsnahrung Rechnung tragen.”
Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer: „Frühkindliche Karies in den ersten Lebensjahren ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Schuld daran ist nicht zuletzt die häufige Gabe von süßen Getränken oder süßen Zwischenmahlzeiten, denn diese verursachen Karies schon an den ersten Zähnchen. Das hat langfristige Folgen: Kinder mit frühkindlicher Karies entwickeln auch im Erwachsenengebiss deutlich häufiger Karies.” Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch: “Wenn Lebensmittelhersteller Produkte wie Trinkmahlzeiten nicht nur anbieten, sondern auch noch als gesund bewerben, ist ihnen die Gesundheit der Kinder offenbar gleichgültig. Das lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Der Gesetzgeber muss durch strengere Vorgaben sicherstellen, dass nur noch solche Produkte als Babynahrung auf den Markt kommen, die im Einklang mit den kinder- und zahnärztlichen Empfehlungen sind.”

Wahl zum Goldenen Windbeutel: www.goldener-windbeutel.de

Quelle: Pressemittielung foodwatch

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