Gestaltender Naturschutz zum Erhalt der Biodiversität als Ziel

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Gut getarnt – die Gespenstschrecke.
(Foto: Jupiterimages / © Getty Images)

Um den immer dramatischeren Verlust der Biodiversität entgegenzutreten, haben Forscher der Technischen Unversität Darmstadt und der ETH Zürich ein innovatives Naturschutzkonzept entwickelt, das bisherige – aus ökologischer Sicht „wertlos“ erachtete Landschaften – mit einbezieht. Diese Aufsplittung der Ökosysteme in historische und neue Habitate sollte in ein neues Naturschutzkonzept übertragen werden, so die Biologen.
„Der Rückgang der Biodiversität ist so dramatisch, dass man in Sachen Naturschutz dringend umdenken muss“, so Christopher Kaiser-Bunbury, Biologe an der TU Darmstadt http://www.bio.tu-darmstadt.de, der gemeinsam mit Christoph Küffer vom Institut für integrative Biologie an der ETH Zürich das Konzept entwickelt hat. Dass es funktioniert, zeigen zahlreiche Erfahrungen auf Inseln wie etwa wie Galapagos, Hawaii, Fidschi oder den Seychellen. Erfahrungen von dort wollen die Wissenschaftler auf andere Landschaftsszenarien hochskalieren.

Ökosystem mehr nur als „unberührte Natur“

„In einer Welt, in der der Mensch durch sein Wirken Veränderungen bis in den letzten Winkel des Planeten bewirkt, kann der Begriff Ökosystem kein Synonym mehr für unberührte Natur sein“, so der Biologe. Der einzige Ausweg ist die Aufhebung des Gegensatzes von Ökosystem und Kulturlandschaft. Daher sei vor wenigen Jahren der Begriff “neue Ökosysteme” entstanden. Dieser umfasst auch solche Systeme, die durch menschliches Einwirken bereits deutlich in ihrer Artzusammensetzung verändert wurden.
„Schützenswert ist nicht nur die ,historische’ Natur, sondern auch gestaltete Produktionslandschaften. In unserem Konzept führen wir Strategien zusammen, die bislang als inkompatibel galten“, erklärt der Experte. „Wir haben nicht mehr die Wahl, wir müssen in einer von Menschen dominierten Welt neue Realitäten akzeptieren und mit dem arbeiten, was wir haben.“

Neue Ökosysteme fördern Biodiversität

Zu den neuen Ökosystemen zählen demnach auch Maisfelder und Bananenplantagen, denn selbst landwirtschaftlich genutzte Flächen können für die Erhaltung von Artenvielfalt und Biodiversität genutzt werden. „Die entsprechenden Maßnahmen sind sogar relativ einfach umzusetzen und vergleichsweise kostengünstig“, schreiben die Forscher.
In Indien wurden beispielsweise in Kaffeeplantagen vermehrt heimische Bäume gepflanzt und kleine Weiler angelegt, damit einheimische Tierarten sich in dieser Agrarlandschaft ansiedeln und halten konnten. Danach hat sich die Menge und Qualität des Kaffees verbessert. In Europa zeigen Versuche mit Hecken, Wiesenstreifen und Pflanzungen kleiner Baumgruppen entlang von Feldern ähnliche Erfolge.
„Die einzelnen Maßnahmen für sich genommen sind nicht neu, es fehlt jedoch an einem übergreifenden Konzept, das sämtliche Landschaftsbereiche miteinander verbindet. Genau das passiert bereits auf vielen mit dem Festland nicht verbundenen Inseln – mit großem Erfolg.“

Seychellen sind gutes Beispiel

Auf den Seychellen umfassen kombinierte Naturschutzmaßnahmen beispielsweise nicht nur den nur noch in wenigen Bergregionen erhaltenen ursprünglichen Nebelwald, sondern auch aufgegebene Zimtholzplantagen sowie urbane Nutzungsräume wie etwa Gärten. Die Erfolge wären nicht zu übersehen, denn bedrohte Arten konnten sich in ihrem Bestand erholen und die Artenvielfalt damit stabilisiert werden.
„Gleichzeitig müssen wir mehr über den Einfluss invasiver Arten auf die Biodiversität wissen“, meint Nico Blüthgen von der TU Darmstadt. „Gegen eingewanderte Ameisen auf Hawaii etwa haben die einheimischen Pflanzen keinen Schutzmechanismus entwickelt.“ Blüthgens Arbeitsgruppe befasst sich mit den Folgen des Artenschwunds. „Der dramatische Verlust an Biodiversität geht einher mit einer reduzierten Funktionalität der Ökosysteme und erfordert auch mit Blick auf den Klimawandel dringend notwendige Schutzmaßnahmen.“

Quelle: Pressetext.com

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