Tierschutzorganisation wählt Blobfisch zum Maskottchen

Blobfisch

Blobfisch (Foto: NORFANZ/Kerryn Parkinson)

Es ist schon richtig, dass wir uns grundsätzlich den schönen Dingen des Lebens zuwenden. Das gilt insbesondere, wenn es um Lifestyle geht. Allerdings widmen wir uns zudem dem Thema Nachhaltigkeit, wozu eben der Schutz der Arten gehört. Und wie wir alle wissen, sind nicht alle bedrohten Tiere so flauschig und nett wie Pandas, Koalas oder Tiger. Wobei wir gerne bei letzterem auf den Flauschigkeitstest verzichten möchten.
Nun gibt es eine Organisation, die sich dem Schutz der hässlichsten Tiere zugewendet hat:  die Ugly Animal Preservation Society – kurz die UAPS. Diese kommt – wie sollte es anders sein – aus Großbritannien. Sie hat unlängst nach einer weltweiten öffentlichen Wahl den Blobfisch zu ihrem neuen Maskottchen gekürt.

Dank im Namen aller Blobfische

Die Siegerehrung fand im Rahmen des British Science Festival in Newcastle statt. In seiner Dankesrede, die der britische Dramatiker und Komiker Paul Foot, stellvertretend für den Blobfisch hielt, erklärte er: „Im Namen aller Blobfische danke ich Ihnen für diese Auszeichnung. Es bedeutet mir sehr viel. Und jetzt bleiben Sie mir und meiner Familie vom Leib.” Foot hatte sich auch in den Wochen davor vehement für die bedrohte Tierart eingesetzt. Den ernsthaften Hintergrund hierfür erläutert der für seine Arbeit vielfach ausgezeichnete Physiker Prof. Brian Cox: „Ich unterstütze die Kampagne für hässliche Tiere. Es gibt zu viele Menschen, die versuchen, niedliche Tiere zu schützen. Sie bekommen die ganze Presse und die ganze Aufmerksamkeit. Hässliche Tiere verdienen mehr Aufmerksamkeit als süße Tiere. Ich finde die Kampagne spitze.”

Schutz für hässliche Entlein

Mit dem Projekt sollten junge Menschen motiviert werden, sich für Tierschutzprojekte zu engagieren und für Tiere zu werben, die nur ihre Mutter lieben kann, und somit einen Gegenpol zu den geliebten „Top-Models“ des Tierschutzes, wie den Pandabären oder das rote Eichhörnchen, zu bilden. Simon Watt, Biologe und President for Life of the Ugly Animal Preservation Society sagt: „Wir brauchen schon lange ein hässliches Gesicht für die bedrohten Tiere. Die Reaktion der Öffentlichkeit hat mich verblüfft. Zu lange standen niedliche, possierliche Tiere im Rampenlicht. Der Blobfisch wird jetzt das Sprachrohr für die hässlichen Entlein, die immer im Schatten stehen, sein.”

Tausende haben gewählt

Die Kampagnen-Videos der Gesellschaft, die sich den Schutz hässlicher Tiere auf die Fahnen geschrieben hat, haben beinahe 100.000 Views erzielt. Tausende Menschen haben gewählt. Bekannte Schauspieler und Comedians wie Stephen Fry (Ein Fisch namens Wanda oder die Hauptrolle in Oscar Wilde) oder Simon Pegg (unlängst zu bewundern als „Scotty“ in den neuen Star Trek Verfilmungen) haben mit Tweets Ihre Favoriten unter elf Kreaturen unterstützt, die von Mutter Natur in puncto Ästhetik besonders spärlich ausgestattet wurden.

Das neue Maskottchen

Der Blobfisch (Psychrolutes marcidus) wird bis zu 30 Zentimeter lang und lebt in 600 bis 1.200 Meter Tiefe wo der Druck um dutzende Male höher ist als an der Wasseroberfläche. Sanft schwebt er durch die Meerestiefen, wobei sein gelatineartiges Äußeres seine Schwimmfähigkeit unterstützt. Schleppnetzfischer stellen eine deutliche Gefahr für den Blobfisch dar. Obgleich nicht essbar, wird er in den Netzen gefangen. Er ernährt sich von Krebsen und Hummern, die in derselben Wassertiefe leben.
Paul Foot erklärt in seinem Kampagnen-Video, warum er eine Schwäche für den schwimmenden Glibberberg hat… „Manche würden es als ein bisschen hässlich bezeichnen, doch ich glaube, hinter dem traurigen Gesicht des Blobfisches liegt ein freundliches und sehr weises Wesen.”

Die weiteren Kandidaten im Überblick

Kakapo

Kakapo (Foto: Mike Bodie, Department of Conservation / flickr.com)

Nummer 2: Der Kakapo
Der schwer bedrohte Riesenpapagei ist ein klassisches Beispiel für Evolution auf einer abgeschiedenen Insel. Der Kakapo ist nicht nur der einzige flugunfähige Papagei auf der Welt, sondern auch der schwerste. Seine muskulösen Schenkel sind besser zum Gehen und Klettern geeignet als zum Fliegen – auch wenn der Kakapo vermutlich von fliegenden Papageien abstammt.
Steve Mould (Wissenschaftler der BBC) erklärt, warum der Kakapo Unterstützung braucht: „Der Kakapo steht für die Zerbrechlichkeit eines Lebens, das sich in einer Blase entwickelt hat. In diesem Fall ist die Blase Neuseeland… aber die Blase ist geplatzt und Neuseeland ist voller Raubtiere. Doch der Kakapo hat nie gelernt, Angst zu haben. Oft antwortet er mit Neugier – ,Wer ist das?’, um dann festzustellen ,Oh, ich bin in seinem Maul…’”

Axolotl

Axolotl

Nummer 3: Das Axolotl
Das Axolotl besitzt die erstaunliche Fähigkeit, verloren gegangene Gliedmaßen wieder zu regenerieren. Es ist eine Art Salamander der sein Leben lang im Wasser bleibt. Die fortschreitende Urbanisierung von Mexico Stadt und die damit einhergehende Wasserverschmutzung bringen die abgefahrene Kreuzung aus Peter Pan und den X-Men in Gefahr.
Wissenschaftsmoderatorin und Comedian Helen Arney half dem kleinen Tier. „Schönheit reicht nur bis zur Hautoberfläche und das Axolotl hat ein dunkles Geheimnis… es wird nie erwachsen wie Peter Pan, Justin Bieber oder die Charaktere, die Zooey Deschanel in ihren Filmen verkörpert.”

Nummer 4: Der Titicacariesenfrosch
Dieser größte Wasserfrosch lebt nur Am Titicaca-See in Südamerika. Sein lateinischer Name bedeutet wortwörtlich übersetzt „im Wasser lebender Hodensack”. Denn dank der zahlreichen Falten in seiner Haut kann er ohne Aufzutauchen unter Wasser atmen.
Komödiantin Iszi Lawrence ist begeistert „Hodensackfrosch, ihr habt richtig gehört, Hodensackfrosch heißt er. Und nicht nur das, er lebt im Titicaca-See!“

Nasenaffe

Nasenaffe (Foto: Anup Shah

Nummer 5: Der Nasenaffe
Der Nasenaffe nutzt sein beeindruckend großes Riechorgan, welchem er seinen Namen verdankt, auch als Resonanzraum, um die Lautstärke seiner Balzrufe zu erhöhen. Je größer die Nase ist, desto attraktiver der Paarungspartner. Die unreifen Früchte auf seinem Speiseplan geben ihm sein aufgeblähtes und rundliches Erscheinungsbild. Deswegen unterstützte Ellie Taylor (Moderatorin von „Snog, Marry, Avoid”) den Primaten mit dem großen Zinken: „Diese Jungs brauchen unsere Hilfe! Sie sind wirklich hässlich und kommen nicht gegen die süßen Orang-Utans an… Sie haben gewaltige Nasen, wirklich hässliche Schniedel und sie pfurzen andauernd. Ich bitte Sie, das Ding braucht unsere Hilfe!”

Mehr Informationen zur Kampagne und die Videos finden Sie unter: www.nsecuk.org

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