Politik und Wirtschaft starten Kampagne zur Gebäudesanierung

Die Hauswende

Vorsicht „Hauswende“: Nachhaltigkeit spielt bei der Kampagne offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. (Foto: Screenshot)

Kampagnen sind Initiativen, die etwas bewirken sollen. Das soll zumeist positiv sein. Nun hat jüngst die so genannte Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) die Initiative „Die Hauswende“ ins Leben gerufen. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), das Bundesbauministerium (BMUB) sowie viele Branchenverbände und zahlreiche Unternehmen tragen die Informationskampagne. Die Bundesregierung trägt mit 1,3 Millionen Euro zu dem Projekt bei. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) koordiniert sie. „Damit soll ein breites Bündnis aus Politik und Wirtschaft die Energiewende im Gebäudebereich vorantreiben. Mit der Kampagne erhalten Hausbesitzer Informationen zur energiesparenden Sanierung und Unterstützung bei der Suche nach qualifizierten Energieexperten vor Ort“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung von BMUB und dena.
Was auf den ersten Blick eine sinnvolle Initiative zum baulichen Wärmeschutz zu sein scheint, wirkt auf den zweiten wie eine ordentliche, staatlich mitfinanzierte Werbekampagne für die Bauwirtschaft zum Thema Gebäudesanierung.
Mit Verweis auf die Komplexität von Sanierungsmaßnahmen heißt es in der Erklärung etwa: „Umso wichtiger ist es, neutrale Informationen und fachgerechte Unterstützung zu bekommen. Das Internetportal www.die-hauswende.de bündelt die wichtigsten Informationen zur energetischen Gebäudesanierung. Per Online-Suche können Verbraucher schnell und unkompliziert geeignete Fördermöglichkeiten sowie qualifizierte Energieexperten und Firmen in ihrer Nähe finden.“

Neutrale Information?

Angesichts der Ansammlung von Wirtschaftsunternehmen in der Initiative erscheint es fragwürdig, inwieweit hier tatsächlich „neutrale Informationen” vermittelt werden. Auch auf die Fragen nach Schadstofffreiheit der Materialien und anderen Umweltaspekten fallen die Antworten seitens der dena eher ausweichend aus. Beginnen wir mit der Frage nach der Schadstofffreiheit der empfohlenen Materialien: Statt eines einfachen Ja betont die dena. dass produkt- und herstellerneutral beraten werde. Schließlich heißt es: Die im Rahmen der Kampagne vorgestellten Lösungen entsprechen den allgemeinen gesetzlichen Sicherheits- und Gesundheitsstandards für den Baubereich”. Naja, schadstofffrei bedeutet das sicher so nicht.

Hauptsache vor Ort Energie gespart?

Auf die Frage nach den Gedanken der Ökologie und Nachhaltigkeit antwortet die dena recht „schlau“, dass die umweltfreundlichste Energie diejenige sei, die gar nicht erst produziert werden müsse. Insofern sei Umweltschutz ein wichtiger Bestandteil der Kampagne, die zudem auch für Nutzung erneuerbarer Energien werbe. Das erscheint uns dann doch mehr als dürftig, wenn nicht eine Bankrotterklärung zu sein. Hier gälte es möglicherweise auch aufzurechnen, wie viel (umweltunfreundliche) Energie denn für die Produktion der Dämmstoffe und Technik, den Transport und den Einbau notwendig ist. Vielleicht spart so mancher Hauseigentümer insgesamt mehr Energie, wenn er die Finger von der Angelegenheit lässt?

Nachhaltigkeit kaum ein Thema

Und die Antwort auf die Frage nach der Förderung ökologischen Sanierens kostet zwar den meisten Platz. Sie ließe sich jedoch auch recht kurz fassen. Wir wollen sie unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten: „Die KfW-Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren sind technologie- und produktneutral ausgelegt. Ihr Ziel ist es, Häuser mit möglichst geringem Energiebedarf zu errichten oder energiesparend zu sanieren. Grundlage für die Förderung ist eine energetische Fachplanung für die geplanten Maßnahmen, die im Ergebnis die Förderanforderungen erfüllen müssen. Es muss nachgewiesen werden, dass die von der KfW vorgegebenen energetischen Werte für Bauteile bzw. den Energieverbrauch des Hauses im Falle eines Neubaus oder einer umfassenden Sanierung zum KfW-Effizienzhaus erreicht werden. Mit welchen Maßnahmen, Materialien und Technologien der Eigentümer die Förderziele erreicht, ist in die Entscheidung des Bauherrn gelegt. Dabei wird ökologisches Sanieren natürlich auch gefördert.“
Wer hier zunächst nur „Bahnhof versteht“, liegt völlig richtig. Viele Worte um nichts. Dass enegieeffizientes Sanieren sogar auch dann förderwürdig ist, wenn es ökologisch erfolgt, fanden wir nun wenig überraschend. Werden die gesetzlichen Sicherheits- und Gesundheitsstandards für den Baubereich eingehalten und erfüllen die Maßnahmen die Förderanforderungen, scheint alles andere völlig gleich zu sein. Hauptsache Energie vor Ort sparen und vorher teuer sanieren. Alle weiteren Aspekte der Nachhaltigkeit sind den Initiatoren wohl völlig egal.

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