Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Wildkatze

Schleichende Wildkatze (Foto: Thomas Stefan / BUND)

Die Wildkatze ist in Franken wieder auf dem Vormarsch. Das zeigen die ersten Ergebnisse der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durchgeführten deutschlandweiten Wildkatzeninventur, die in verschiedenen großen Waldgebieten Frankens Erstnachweise erbrachte. So konnten die scheuen Tiere jetzt im Nürnberger Reichswald, dem Steigerwald, den Hassbergen und der Fränkischen Schweiz belegt werden.

Vom Spessart bis in die Fränkische Schweiz

Im Spessart und der Rhön wurden Einzelfunde der letzten Jahre bestätigt. In den genannten Regionen galt die bedrohte Art lange Zeit als nicht mehr vorkommend. “Die Analysen erlauben eine Schätzung von 100 bis 150 Tieren für Bayern. Dieses Ergebnis lässt uns hoffen, dass die Wildkatze in einigen Jahren wieder ganz selbstverständlich in unseren Wäldern leben kann”, meint Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. “Wir freuen uns darüber, dass die Wildkatze ihre alten Lebensräume allmählich wieder zurück erobert – das ist ein großer Erfolg, der nicht zuletzt auf aktive Naturschutzmaßnahmen zurück zu führen ist”, meint Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). “Daher dürfen wir auch nicht nachlassen darin, störungsarme Wälder und unzerschnittene Räume zu erhalten und zu schaffen. Diese müssen die Wildkatzen über Korridore erreichen können”, so BfN-Präsidentin Jessel.

Wildkatzensprung

Wildkatze

Wildkatzennachwuchs (Foto: Thomas Stefan / BUND)

Das Projekt des BUND “Wildkatzensprung” wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt durch das BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums. In Bayern wurde die Erfassung zusätzlich vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Mitteln der Jagdabgabe unterstützt.
Für die Inventur der Wildkatzen werden in bundesweit über 50 Waldparzellen mit dem Lockstoff Baldrian besprühte Holzpflöcke ausgebracht. Die Katzen reiben sich an den Stöcken und hinterlassen Haare, die im Anschluss genetisch analysiert werden können.
215 sichere Nachweise von Wildkatzen sind dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im vergangenen Winter allein in Bayern gelungen. In ganz Deutschland wurden seit dem Winter 2011/2012 ungefähr 4400 Haarproben gesammelt, die zum Teil noch ausgewertet werden müssen. Über 500 Ehrenamtliche unterstützen den BUND bei den Zählungen. Im ersten Jahr der Untersuchung wurden bereits für den Kottenforst bei Bonn und im Odenwald erstmals Wildkatzen nachgewiesen. Die Inventur ist Teil eines umfangreichen Wildkatzen-Schutzprogramms des BUND.

Wildkatzen auf länderübergreifender Wanderschaft

Wildkatzenzähne

Sieht man die Zähne, wird deutlich, dass die Wildkatze ein Raubtier ist. (Foto: Thomas Stefan / BUND)

Besonders erfreulich bei den Ergebnissen aus Bayern: Auch an der Ländergrenze zu Baden-Württemberg sind Wildkatzen nachgewiesen worden, eine wichtige Verbindung in Richtung der dort bereits bekannten Vorkommen. Zudem wurden in Bayern nicht nur die in den 90er Jahren ausgewilderten Wildkatzen und ihre Nachkommen nachgewiesen – auch Wildkatzen aus Thüringen und Hessen sind offenbar nach Bayern eingewandert.
Damit wird deutlich, dass die Wildkatze nur länderübergreifend gerettet werden kann. Neue geeignete Lebensräume sind dabei ein Schlüssel für die Stabilisierung und Wiederausbreitung der Art. Aus diesem Grund engagiert sich der BUND für ein bundesweites Netzwerk von Waldverbindungen. Langfristig soll so ein Waldverbund von insgesamt 20.000 grünen Kilometer in ganz Deutschland entstehen. Dafür werden Korridore zwischen isolierten Wäldern bepflanzt. “Die ersten Ergebnisse der Wildkatzennachweise bestärken uns in unserem Vorhaben”, so Hubert Weiger. “Die Wildkatze, und mit ihr viele weitere Arten, nutzen offenbar die Waldverbindungen, um neue Lebensräume zu erobern.”

Wildkatzennachweise durch Haarproben

Die Wildkatze (Felis silvestris) ist keine verwilderte Hauskatze, sondern eine eigene Katzenart. Da sie im Wald kaum von wildfarbenen Hauskatzen unterschieden werden kann und überwiegend in der Abenddämmerung und der Nacht aktiv ist, hilft nur der genetische Nachweis. Im vergangenen Winter wurden dazu über 1.300 sogenannte Lockstöcke überprüft. “Die Entwicklung der Lockstockmethode war der Durchbruch. Endlich konnten wir nähere Informationen zur Verbreitung dieser scheuen Katze bekommen.”, so Hubert Weiger. “Möglich wird diese flächendeckende Untersuchung erst durch die Ehrenamtlichen, die jeweils in ihrer Region mithelfen, die Vorkommen und Wanderbewegungen der Wildkatze zu erforschen.”

Bundesweite Analyse der Wildkatzenvorkommen

In allen Ländern mit möglichen Vorkommen wird seit 2011 der Wildkatzenbestand im Rahmen des BUND-Projekts “Wildkatzensprung” erforscht: in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Parallel dazu werden in sechs Pilotprojekten geeignete Wildkatzenwälder durch gepflanzte Korridore miteinander verbunden. Die Erhebung wird im Winter 2013/2014 fortgesetzt. Weitere Informationen unter www.bund.net/wildkatzensprung

Quelle: Pressemitteilung BUND

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