40 Jahre Sesamstraße und kein Ende

Sesamstraße

Oskar – der Ökopionier ist 40. (Bild: NDR/Children’s Television Workshop/Richard Termine)

Wer kennt ihn nicht? Wer kennt ihn noch? Die Sesamstraße wird 40 und viele von uns über 40 erinnern sich noch gut. Heute schauen unsere Kinder die Sendung immer noch gerne. Eine Figur haben wir Älteren früher ganz besonders geliebt. Oskar, den muffligen Wuschel aus der Mülltonne. Er ist zwar etwas griesgrämig, aber im Inneren herzensgut und ein Verfechter des Recyclinggedankens. Immerhin lebt er in und mit gebrauchten Dingen und findet sie schön. Er ist also ein echter Grüner, innen wie außen.
Er verwendet wieder, benutzt was andere wegwerfen. Er gibt alten Dingen eine neue Bedeutung. Er mag Müll. Und was früher pädagogisch angezweifelt wurde ist heute topaktuell, richtig und wichtig. Müll als Rohstoff und Wertstoff, lässt Oskar in einem anderen Licht erscheinen. Er wird sicher kein Saubermonster, aber mit seiner schlechten Laune bring er Kinder und Erwachsene zum Lachen. Das Lernen geschieht nebenher. Leider gibt es in der Realität noch keine Dauerlösung für all unseren Müll.

Müllsammler als Beruf ohne Berufung

Wir leben heute im Überfluss und die Ärmsten der Armen suchen auf Müllhalden nach Verwertbarem, nach Wertstoffen, die sie verkaufen können, allerdings mit weniger Freude als Oskar das tut. Was wir bedenkenlos wegwerfen, wird für andere zum Handelsartikel.

Kontainern aus Protest

Andere sammeln Müll aus Protest gegen die Wegwerfmentalität. Die sogenannten “Mülltaucher” Sie sammeln noch gutes Essen von Supermärkten, Bioläden usw. und teilen diese Nahrung in der Gemeinschaft. Damit verhalten sie sich zwar ökologisch sinnvoll, aber am Rande der Legalität, denn selbst Müll hat einen Eigentümer und darf zwar sinnlos weggeworfen werden, aber nehmen darf man ihn nicht einfach so. Eine gewisse Affinität der Protestler zu Oskars Lebensweise mag man erkennen.

Oskar im Vintage-Look

Gerne umgibt Oskar sich mit alten Zeitungen, am liebsten, wenn vorher ein Fisch eingewickelt war. Er findet viele Dinge schön, die andere wegwerfen. Und er ist Trendsetter, denn mittlerweile kleiden sich sogar unsere Supermodels in Secondhand-Kaufhäusern ein, die stehen nur eine Stufe über der Altkleidersammlung. Die neuesten Jeans wiederum sind, je zerfetzter desto teurer und beliebter. Und wer seine Hosen lange trägt, bleibt irgendwie immer modisch, entweder aktuell oder vintage. Oskar, früher von Pädagogen gescholten und von Eltern gefürchtet, ist heute salonfähig. Wir erwarten ihn auf der nächsten Fashion Week im grünen Zotteloutfit, aus recycelten Plastikflaschen.

Oskar als Vorbild in Sachen Nachaltigkeit

Vor allem bringt er es mit Humor, ohne moralischen Zeigefinger rüber, aber nachhaltig beeindruckend. Wir lernen, Müll ist reine Definitionssache. Und nicht bei allem, was riecht oder seltsam aussieht oder zerknüllt ist, muss es „iiiih pfui bäh und nicht anfassen“ heißen. Auch an alten Dingen kann man seine Freude haben und sie noch lange, lange nutzen, je länger desto lieber und je mehr Gebrauchsspuren sie haben, desto besser.
Oskar besingt in seinem Lied seine große Liebe: „Ich mag Müll, alles, was staubig ist, schmutzig und dreckig, alles, was rostig ist, gammelig und speckig, ja ich mag Müll..…Ich hab hier ne Zeitung ganz alt und kaputt war ein Fisch eingewickelt, ein stinkiger Butt….… Eine Uhr, die nicht geht und ein Stück Telefon, vom Regenschirm den Rest und dies’ Dings ohne Ton. Die sind meine Sachen, mit denen ich hier wohn’. Ich lieb’ sie, denn ich mag Müll…..“
Einmal schenkt Elmo Oskar ein Bild. Aber Griesgrame mögen keine Geschenke, doch Elmo ist ein Fan von Oskar. Da braucht es einen Trick für den Liebesdienst. Elmo zerknüllt das Papier, es wird zu Müll und dann darf Oskar es mögen.

Langlebige Puppen – Reparieren statt wegwerfen

Heute gibt es immer noch sehr viele verschiedene Puppen. Sie alle leiden unter dem Dauergebrauch. Niemand käme auf den Gedanken sie einfach wegzuwerfen, wenn sie kaputt sind. Frank Auer, der Puppenbetreuer kämmt und pflegt sie liebevoll, auch wenn das Pferd mal wieder sein Gebiss abgekaut hat. Ab und an gibt es neue Gesichter in der Sesamstraße

Die Geschichte der Sesamstraße – Rumpel ersetzt Oskar

Am 10. November 1969 startete Sesame Street, so der Originaltitel, im US-Fernsehen. Die Rahmenhandlung spielte in der Sesame Street, einer fiktiven, in einem Filmstudio nachgebauten Großstadt-Wohnstraße, in der es unter anderem Lebensmittel-Geschäft gibt. Neben echten Menschen, wie Bob, Gordon und Susan trifft man hier Bibo und andere Muppets. In einer der Mülltonnen im Hof wohnt Oscar der Griesgram. Einige der Original-US-Folgen wurden vom 5. bis 9. April 1971 in vielen dritten Programm gezeigt. Nur Bayern hat sich geweigert die Sendung auszustrahlen.
Am 8. Januar 1973 startete die deutsche Sesamstraße. Die erfolgreiche deutsche Kindersendung wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.
Zu Beginn wurde die amerikanische Originalsendung synchronisiert. Dann hagelte es Kritik von Eltern und Pädagogen. Ausgerechnet auch gegen Oskar haben viele Eltern protestiert. Erzieher/innen und Wissenschaftler/innen fanden, die amerikanischen Straßenszenen hätten nicht genug mit der Lebenswelt der deutschen Kinder zu tun.
Ab 1976 wurde die originale Rahmenhandlung nicht mehr gezeigt. Es gab eigene Kulissen und neue Puppen für die deutsche Fassung. Die Kinder haben protestiert und wollten ihre Identifikationsfiguren und die bekannten Orte zurück. Die Sendung wurde noch einmal überarbeitet.
1988 verbrannten alle Puppen und die Kulissen im Wandsbeker Produktionsstudio. Es gab neue Kulissen. Jetzt waren es ein Vorgarten, Wald und eine Höhle. Rumpel aus der Regentonne ersetzte den früheren Oscar. Die Vorliebe für Müll blieb.
2009 hatte Rumpel seinen letzten Auftritt in der Sesamstraße.
Im Jahr 2013 singt Lena den neuen Vorspann, Elmo wird neuer Gastgeber. Die Sesamstraße läuft nun Mo – So um 8.00 Uhr im KiKA, Di – Do um 6.15 Uhr und Fr um 6.20 Uhr im NDR
Auf www.sesamstrasse.de gibt es Spiele für Kinder und Infos für Eltern.
Mehr zur Geschichte auf www.ndr.de

Ausstellung zum Geburtstag der Sesamstraße

Neben den Puppen im Original sind dort seltene Fotografien des NDRs zu sehen. Diese geben einen Einblick in vier Jahrzehnte “Sesamstraße”. Die Ausstellung ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen interessant.
Ausstellungsdauer vom 15. Mai 2013 bis zum 16. März 2014
Adresse: Altonaer Museum, Museumstraße 23, 22765 Hamburg
Öffnungszeiten: Di. bis So. von 10:00 – 17:00 Uhr
Preise: Erwachsene 6 €, Ermäßigt 4 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. S-Bahn bis Hamburg-Altona, von dort 2 Minuten Fußweg.
http://www.altonaer-museum.de/de/ausstellungen/herzlichen-glueckwunsch-zum-40-ein-ausflug-in-die-welt-der-sesamstrasse.htm

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